17

 

»Und, gibt es Snacks auf der Feier mit dem Drachenherz? Ich habe nämlich das Mittagessen verpasst, weil ich doch mit Cyrene unterwegs war, und dieses Gyros, was sie mir gekauft hat, hält nicht bis zum Abendessen vor. Hey, Fiat, du hast schon lange keinen mehr entführt. Hast du in der letzten Zeit wenigstens ein Massaker angerichtet?«

»Jim, so wahr mir Gott helfe, wenn du noch einen Ton sagst, kannst du Magoth besuchen«, fuhr Aisling ihn an.

Ich eilte rasch zu ihm. Drakes Leibwächter brachten gerade Fiat herein, und die Atmosphäre im Saal war angespannt. »Entschuldigung, Aisling. Ich hätte besser auf ihn aufpassen sollen. Jim ...«

»Du brauchst mich ja nicht auch noch anzuschreien.« Beleidigt legte er sich vor den Kamin. »Ash hat mir doch schon die Meinung gesagt. Mann! Ihr seid aber auch alle schlecht gelaunt!«

Aisling rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl herum, und als ich zurück zu Gabriel ging, blieb ich bei ihr stehen.

»Ist alles in Ordnung? Hat der sárkány dich erschöpft?«, fragte ich.

»Mir geht es gut.«

Ich musterte sie. Sie sah müde aus und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Aisling legte die Hand auf ihren Bauch. »Es ist nur das Baby. Ich wünschte, sie würde endlich zur Welt kommen. Drake hat der Hebamme schon gesagt, sie müsse heute Abend zu uns ziehen. Er will, dass sie einen Kaiserschnitt macht, aber sie hält es noch nicht für nötig.«

Ich tätschelte ihr die Schulter. »Es tut mir leid, dass ich nicht gut auf Jim aufgepasst habe. Ich habe mich ablenken lassen.«

Aisling lächelte mich an. »Mach dir keine Gedanken. Ehrlich gesagt, habe ich den großen Kerl vermisst, als er bei dir zu Hause war. Im Moment ist nur die Stimmung so angespannt, weil die Wyvern untereinander Probleme haben. Aber der Stress mit Kostya ist ja jetzt zum Glück vorbei.«

»Drake wird ja wahrscheinlich einen Anfall kriegen, aber soll ich Gabriel bitten, mal nachzuschauen, ob bei dir alles in Ordnung ist? Vielleicht bewegt sich ja das Baby oder so.«

»Oh, es bewegt sich die ganze Zeit, und meistens tritt es mich in die Blase«, antwortete Aisling. Sie seufzte schwer. »Ich hoffe nur, dass es bald kommt, denn ich bin es wirklich leid, wie ein aufgepumpter Reifen herumzulaufen.«

Jim öffnete den Mund, aber ich warf ihm nur einen Blick zu. »Wag es nicht!«

»Phh!« Er wandte den Kopf ab.

Aisling lachte, was Drakes Aufmerksamkeit erregte. Er stand gerade bei Fiat, der lautstark verlangte, man solle ihn freilassen, aber jetzt kam er zu Aisling. In diesem Moment betraten Kaawa und Nora den Saal.

»Hast du Wehen, kincsem?«, fragte Drake.

»Nein. Ich muss nur zur Toilette. Hilfst du mir aufzustehen?«

Er reichte ihr die Hand und beobachtete besorgt, wie sie zur Tür watschelte.

»Gabriel würde sie bestimmt untersuchen, wenn du dir Sorgen machst«, sagte ich zu Drake.

Er dachte einen Moment lang nach, schüttelte dann aber den Kopf. »In ein paar Stunden kommt unsere Hebamme. Und wenn Aisling vorher Wehen bekommt, kümmert sich Kaawa um sie.«

Ich hatte ganz vergessen, dass Gabriels Mutter ja ebenfalls Hebamme war. »Ja, sie hilft sicher gerne. Ich bin leider in dieser Hinsicht absolut nutzlos, aber wenn ich irgendetwas tun kann, damit Aisling sich wohler fühlt, lasst es mich wissen.«

Drake dankte mir und ging zur Tür, wohl um auf Aislings Rückkehr zu warten. Ich trat zu Kaawa und Nora.

»Darf ich zusehen, wie die Stücke neu gebildet werden?«, fragte Nora mich. Ihre Augen leuchteten interessiert hinter dem roten Rand ihrer Brille. »Nach dem, was Kaawa mir erzählt hat, muss es etwas ganz Besonderes sein, und ich würde schrecklich gerne zuschauen.«

»Ja, natürlich. Du darfst gerne hier bleiben und zuschauen. Ich hoffe nur, dass ich die Zeremonie nicht verbocke.« Hoffentlich bemerkte niemand, wie nervös ich war. Mein Magen krampfte sich zusammen, und ich hatte die unbehagliche Vorahnung, dass irgendetwas schrecklich schiefgehen würde.

»Es wird schon alles gut gehen«, sagte Nora und lächelte mich an. »Kaawa hat dich sicherlich hervorragend vorbereitet.«

»Meine Tochter hat ihre Sache großartig gemacht«, sagte Kaawa majestätisch, und ich bekam Angst, dass ich das Vertrauen, das sie in mich setzte, nicht erfüllen konnte. Zugleich aber wusste ich, dass ich mich besonders anstrengen würde, um Gabriel und sie stolz zu machen.

»Bist du sicher, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für die Zeremonie ist?«, fragte ich Gabriel. »Kostya ist hier, Baltic läuft irgendwo da draußen frei herum, und jetzt ist auch noch Fiat hier und tobt vor Wut. Vielleicht sollten wir das Ganze auf später verschieben, wenn keine Drachen in der Nähe sind.«

Gabriel schlang den Arm um mich und zog mich an sich. »Hab keine Angst, Vögelchen. Ich lasse nicht zu, dass dir oder dem Drachenherz etwas passiert.«

»Ich weiß, aber ...« Ich schwieg, weil ich das schwere Gefühl, das mein Herz bedrückte, nicht in Worte fassen konnte. Das Stück Drachenherz war, sehr zu meiner Überraschung, merkwürdig still in mir. Ich war dankbar gewesen, dass es mich nicht dazu getrieben hatte, mich einem der anderen Wyvern an den Hals zu werfen, aber jetzt fand ich eigentlich, es hatte mich überhaupt nicht zu irgendeiner Drachenhandlung angeregt. Es war, als hielte es die Luft an.

Dieser Gedanke machte mich nervöser als alles andere.

»Nein, ich will mich nicht hinsetzen! Ich habe jetzt genug von dieser Behandlung! Ihr werdet mich jetzt loslassen, oder ihr werdet dafür bezahlen müssen!«, schrie Fiat und riss sich von István los.

Alle Blicke wandten sich ihm zu.

»Ich bin von Drake und Gabriel gegen meinen Willen festgehalten worden«, schrie Fiat. »Ihr seid alle Zeugen! Ich verlange, dass ein sárkány einberufen wird, um sie zu bestrafen.«

Chuan Ren kniff die Augen zusammen. Als Fiat den Baum betreten hatte, hatten ihr Sohn und ihr Gefährte sie abgeschirmt, vermutlich, um sie davon abzuhalten, ihn auf der Stelle zu töten. »Du hast keinen Status im Weyr«, sagte sie jetzt und schob ihren Sohn beiseite, um einen Schritt vorzutreten.

Ich sah das Messer in ihrer Hand, bevor ich etwas sagen konnte, aber sie war nicht schnell genug.

Drake hatte Fiat gerade die Handschellen abgenommen, ein glücklicher Umstand, weil Fiat jetzt Chuan Rens Handgelenke festhielt, bevor sie mit dem Dolch zustechen konnte.

»Oh, bitte«, sagte er verächtlich und drehte ihr das Handgelenk um. »Glaubst du, ich wäre so lange Wyvern gewesen, wenn ich so einem kleinen Mordversuch nicht zuvorkommen könnte?«

Sie knurrte einen Fluch, wich aber zurück, als Drake und Jian sie an den Armen packten. Dann schüttelte sie die beiden Männer ab und betrachtete Fiat aus halbgeschlossenen Augen. »Ich wiederhole: Du wirst von keiner Sippe im Weyr mehr anerkannt.« »Du irrst dich«, erwiderte Fiat ebenso ruhig. »Ich bin der Wyvern der roten Drachen.«

»Du lügst«, fuhr Chuan Ren ihn an. »Du hast mich nie um die Sippe herausgefordert. Du warst ja sogar zu feige, um dich mir zu stellen, als ich aus Abaddon zurückgekommen bin.«

»Ich brauche dich nicht herauszufordern«, sagte er und schüttelte gespielt betrübt über ihre Unwissenheit den Kopf. »Ich habe den vorherigen Wyvern herausgefordert und besiegt, den, der dein Amt übernommen hat, als du verbannt warst. Und nach den Gesetzen des Weyr bin ich der anerkannte Wyvern, nicht du.«

Chuan Ren schäumte vor Wut.

»Es überrascht mich, dass sie nicht explodiert«, murmelte ich Gabriel zu.

»Sie war mehr als tausend Jahre Wyvern«, erwiderte er ebenso leise. »Man bleibt nicht so lange an der Macht, wenn man sich nicht unter Kontrolle hat.«

»Drake wird dir sagen, dass ich recht habe«, erklärte Fiat und nickte dem grünen Wyvern zu. Suchend blickte er sich um, bis sein Blick auf uns fiel. »Und Gabriel auch. Sagt es ihr. Sagt ihr, dass ich der Wyvern bin.«

Drake, Gabriel und Bastian wechselten stumm Blicke.

»Ich muss dich nicht herausfordern. Bao war nie Wyvern, deshalb hast du, als du sie besiegt hast, nur ein schwieriges Sippenmitglied eliminiert.«

»Und doch hat dein Sohn sie als Wyvern anerkannt«, erwiderte Fiat.

Alle schauten Jian an, der dem Blick seiner Mutter auswich.

»Stimmt das?«, fragte sie ihn.

Er zögerte einen Moment lang, nickte dann aber.

»Siehst du? Alle wussten, dass du in Abaddon warst und nicht so bald entlassen werden würdest.« Fiat warf mir einen bösen Blick zu, bevor er fortfuhr: »Daher sind meine Herausforderung und mein Sieg über Bao vollkommen gültig, und du, meine Liebe, bist ouroboros, nicht ich. Ich habe dir bisher gnädig gestattet, weiterzuleben, trotz deiner Versuche, mich zu vertreiben, aber solltest du meine Geduld weiterhin so auf die Probe stellen, bedauere ich möglicherweise meine Großzügigkeit.«

Chuan Ren erstarrte. Sie stand so steif da, dass ich dachte, sie würde bei der kleinsten Berührung zerbröckeln, aber sie war härter im Nehmen, als wir alle angenommen hatten.

Langsam, nach und nach entspannten sich ihre Muskeln wieder. Ihr Sohn und ihr Gefährte beobachteten sie misstrauisch, als ob sie jeden Moment explodieren könnte. »Deine Worte sind bedeutungslos, wie immer. Es spielt keine Rolle, ob mein Sohn Bao anerkannt hat - er ist nicht mein Erbe.«

Jian warf ihr einen verblüfften Blick zu.

»Das mag sein, aber auch der Rest der Sippe hat sie akzeptiert, ebenso wie der Weyr«, sagte Fiat.

»Ich glaube, Gefährtin, es ist jetzt an der Zeit, dass du erzählst, was du vor zwei Monaten gesehen hast«, unterbrach Gabriel ihn. Alle, auch ich, blickten ihn erstaunt an.

Wir waren übereingekommen, diese Ereignisse nicht zu erwähnen, da ich sonst von Fiat herausgefordert werden konnte, aber anscheinend hatte Gabriel seine Meinung geändert. Oder vielleicht hatte er aufgrund der Situation auch das Gefühl, dass wir nichts zu befürchten hätten.

»Etwa vor sieben Wochen haben mein Zwilling, Gabriels Wache Maata und ich Fiats Haus in Italien einen geheimen Besuch abgestattet.«

Fiat drehte sich zu mir um und richtete seinen saphirblauen Blick auf mich. Ich fühlte mich auf einmal machtlos und nackt, aber Gabriels Hand an meiner brachte mich wieder ins Gleichgewicht.

»Wir betraten das Haus durch einen unterirdischen Gang, der unter dem See verläuft. Und dort haben wir eine Szene zwischen Fiat, Bao und Baltic miterlebt.«

»Das höre ich zum ersten Mal«, sagte Bastian und wandte sich stirnrunzelnd an Drake. »Hast du über diese Information verfügt?«

»Ja.«

Das gefiel Bastian nicht, aber er war klug genug, den Mund zu halten.

»Es war uns allen klar, dass Fiat und Baltic einen Plan verfolgten. Als Baltic ging, war Fiat allein mit Bao. Die beiden arbeiteten ebenfalls zusammen, aber diese Zusammenarbeit endete, als Fiat ein Schwert ergriff und ihr den Kopf abschlug, als sie ihm den Rücken zuwandte.«

Ein paar Sekunden lang war es mucksmäuschenstill im Saal. Hinten im Haus wurde eine Tür geschlossen.

»Es gab keine Herausforderung«, sagte ich. Fiat funkelte mich wütend an. »Er nahm einfach ein Schwert von der Wand und schlug ihr den Kopf ab. Dann sagte er seinen Leuten, sie sollten auch den Rest beseitigen - damit meinte er, so vermuteten wir, ihre Leibwächter.«

»Warum hast du uns das nicht früher mitgeteilt?«, fragte Bastian. Chuan Ren stieß ein paar grobe Flüche in meine Richtung aus.

Sofort stellte sich Gabriel zwischen sie und mich. »May hat auf mein Geheiß hin geschwiegen. Drake und ich haben das Thema besprochen, und wir haben beschlossen, Fiat zu beobachten.«

»Ja, das habt ihr wirklich großartig gemacht«, knurrte Chuan Ren und wandte uns allen den Rücken zu. »Wie viele Drachen habt ihr von ihm ermorden lassen?«

Bastian wurde blass, und er verzog gequält das Gesicht bei Chuan Rens Worten, aber das war nichts gegen den Schmerz, den ich in Gabriel spürte.

»Wir konnten ja nicht ahnen, dass Fiat mordet«, warf Drake ein, als Gabriel zögerte. »Dafür nehmen wir beide die Schuld auf uns. Ich hätte mir denken können, dass Fiat Rache nehmen würde, als Chuan Ren zurückgekommen ist.«

»Das nimmt kein gutes Ende«, flüsterte ich Gabriel zu.

»Nein, das stimmt.«

»Er wird kämpfen, ganz gleich, wie es ausgeht.«

»Ich weiß. Drake wird es nicht gefallen, dass Aisling dabei ist.«

»Darum kann ich mich kümmern.«

Gabriel warf mir einen fragenden Blick zu. Ich beugte mich vor und flüsterte ihm zu: »Aisling hat mir heute früh einen Taser gegeben, falls so etwas passiert.«

Gabriel runzelte die Stirn. »Das gefällt mir nicht, Vögelchen.«

»Ich weiß. Aber es ist besser, als wenn jemand verletzt wird.«

»Mich interessiert nur eines«, unterbrach Chuan Ren Drake, der weiter erklärte, warum niemand auf die unschuldigen Drachen aufgepasst hatte. Sie fuhr herum und marschierte auf Fiat zu. Kurz vor ihm blieb sie stehen und blickte ihn hasserfüllt an. »Als rechtmäßiger Wyvern der roten Drachen verlange ich, dass Fiat uns zur Bestrafung ausgeliefert wird.«

»Nein!« Bastian holte tief Luft und trat ebenfalls vor. »Fiat war mein Problem, meine Verantwortung. Er ist uns entkommen, und es waren blaue Drachen, die er so brutal ermordet hat. Er muss für die Verbrechen gegen meine Sippe bestraft werden.«

Fiat warf seinem Onkel einen giftigen Blick zu. »Du kannst ja nicht einmal die Sicherheit deiner kostbaren Drachen gewährleisten. Wie willst du mich denn bestrafen, alter Mann?«

»Er gehört uns, nicht euch«, fuhr Chuan Ren Bastian an.

»Ich muss dir leider widersprechen. Die schrecklichsten Verbrechen hat er gegen die blauen, nicht gegen die roten Drachen verübt.« »Das ist lächerlich. Das höre ich mir nicht länger an.« Fiat begann, sich in Drachengestalt zu verwandeln.

Dieses Mal war ich für ihn bereit. Bevor er auch nur einen einzigen Zehennagel verwandeln konnte, glitt ich in die Schatten, huschte hinter ihn und drückte ihm den Taser auf den Nacken.

»Nicht schon wieder«, stieß er noch hervor, bevor er zu Boden sank und sich unter den Stromstößen des Tasers wand.

»Betrachte es als poetische Gerechtigkeit«, sagte ich zu ihm.

»Brava«, hauchte Bastian und blickte mich bewundernd an. Chuan Ren winkte nach ihrem Gefolge.

»Ergreift ihn!«

»Nein! Er gehört mir!« Bastian setzte sich auf den bewusstlosen Körper seines Neffen.

»Ich bin anderer Meinung«, beharrte Chuan Ren.

Bastian zögerte kurz, dann wandte er sich an Drake. »Der Weyr soll entscheiden, wer Fiat erhält. Chuan Ren muss schwören, dass sie sich der Entscheidung beugt.«

Sie warf ihm einen mörderischen Blick zu, aber dann wurde ihre Miene wieder undurchdringlich. »Nun gut. Der Weyr soll entscheiden.«

»Kostya?«

Kostya und Cyrene hatten die ganze Zeit über geschwiegen, eine Tatsache, die ich im Hinblick auf Gabriels Verdacht, dass Kostya etwas mit dem Mord an blauen Drachen zu tun haben könnte, äußerst interessant fand.

Sein Blick glitt von Fiat zu seinem Bruder. »Die schwarzen Drachen sind der Meinung, dass Bastian den größeren Anspruch hat.«

Drake schwieg einen Moment und sagte dann langsam: »Ich bin der gleichen Meinung wie Kostya. Bastian hat den größeren Anspruch.«

»Du jämmerlicher kleiner Bastard«, sagte Chuan Ren. »Immer hast du Angst, deinen eigenen Standpunkt zu vertreten. Was ist mit dir?« Ihr Blick glitt zu Gabriel. »Denk gut nach, bevor du deine Stimme abgibst, denn ich werde das Song-Phylakterion nicht hergeben, wenn du mich enttäuschst.«

Ihre kühne Drohung machte mich einen Moment lang fassungslos.

»Wir hatten eine Übereinkunft«, sagte Gabriel rau. Spannung baute sich in ihm auf, aber wie Chuan Ren hatte er sich meisterhaft im Griff. »Als Teil dieser Übereinkunft bist du aus Abaddon entlassen worden. Wenn du sie jetzt nicht einhältst, wirst du aus dem Weyr ausgestoßen.«

Die Muskeln in Chuan Rens Kinn zuckten. »Der Weyr hat keine Kontrolle über mich.«

»Ich stimme auch für Bastian. Er soll Fiat bekommen«, erklärte Gabriel. »Es sind seine Drachen, die unter Fiats Taten am meisten gelitten haben, und die Überlebenden sollen bestimmen, wie er bestraft werden soll. Im Vergleich dazu haben die roten Drachen kaum gelitten.«

»Du hast gerade deine Gefährtin dazu verdammt, das Stück Drachenherz für immer in sich zu tragen«, schnaubte Chuan Ren und warf den Kopf zurück.

»Nein, das hat er nicht.«

Die Stimme war leise und sanft, aber trotzdem fest. Voller Zorn musste Chuan Ren miterleben, wie Jian zu Gabriel trat und ihm eine goldene Schachtel übergab. »Ich habe die Vereinbarung in Abwesenheit meiner Mutter getroffen. Ich werde sie einhalten, auch wenn sie zeitweise anderer Meinung ist.«

Gabriel wartete Chuans Antwort gar nicht erst ab. Er nahm die Schachtel, gab sie an Maata weiter und dankte Jian. »Ich werde es dir in Kürze zurückgeben.«

»Ich weiß«, erwiderte Jian und stellte sich der Wut seiner Mutter.

»Wir sind hier fertig«, knurrte sie. Sie schob Jian mit den Fäusten weg und baute sich vor Gabriel auf. »Ich erwarte, dass das Phylakterion noch vor Sonnenuntergang wieder in meinen Händen ist, sonst werde ich dich und deine kleine Gefährtin vernichten.«

Gabriel schwieg und zog nur eine Augenbraue hoch. Leise fluchend marschierte sie aus dem Saal. Li entschuldigte sich nach allen Seiten, als er ihr folgte. Auch Jian verbeugte sich und ging.

»In seinen Schuhen möchte ich jetzt nicht stecken«, sagte ich leise.

Gabriel lächelte. »Ich glaube, er wird eines Tages ein hervorragender Wyvern werden.«

»Wyvern? Ich dachte, die Kinder eines Wyvern könnten nicht sein Erbe antreten? Müssen sie nicht einen menschlichen Elternteil haben?«

»Doch.« Gabriel beugte sich vor und flüsterte mir ins Ohr: »Ich dachte zuerst, er sei tatsächlich ihr Sohn, aber dann habe ich erfahren, dass meine ursprüngliche Vermutung korrekt war - ihre Kinder sind alle tot. Dass sie ihn als ›Sohn‹ bezeichnet, bedeutet unter diesen Umständen eher, dass er ihr Erbe ist.«

»Aber sie hat doch eben gesagt, er sei nicht ihr Erbe, und er hat doch auch Bao als Wyvern anerkannt.«

»Sie hat ihn nur gewarnt, dass sie ihn enterben würde, wenn er sich gegen ihre Wünsche auflehnt. Und was Bao angeht - ich weiß natürlich nicht genau, was innerhalb der roten Sippe so vor sich geht, aber ich vermute, dass er einfach nur klug gehandelt hat.«

»Danke«, sagte Bastian, als seine Leibwächter den bewusstlosen Fiat aus dem Baum schleppten. Er griff in seine Tasche und zog einen schmalen Lederumschlag heraus, den er Gabriel überreichte. »Das Marcella-Phylakterion. Ich weiß, dass du gut darauf aufpasst.«

»Ja, das werden wir«, erwiderte Gabriel. Erleichterung stieg in mir auf -jetzt hatten wir alle Stücke, die wir brauchten, um das Drachenherz neu zu bilden.

Bastian zögerte. »Ich würde gerne zusehen, wie das Herz neu geformt wird, aber ich verstehe natürlich, wenn du mich lieber nicht dabei hättest.«

»Diese Entscheidung kann nicht ich treffen«, sagte Gabriel und wandte sich an mich. »May muss die Zeremonie durchführen. Wenn sie dabei keine Zuschauer haben möchte, kann ich ihr diesen Wunsch nicht verwehren.«

Ich warf Gabriel einen Blick zu, weil ich herausfinden wollte, was ihm lieber war, aber dann sagte ich: »Nein, es stört mich nicht, wenn du anwesend bist, Bastian. Allerdings kann ich dir nicht versprechen, dass es viel zu sehen gibt.«

Er lächelte. »Ich kümmere mich rasch darum, dass Fiat sicher untergebracht ist. Danach komme ich so schnell wie möglich wieder zurück.«

»Das war sehr aufregend«, sagte Nora mit blitzenden Augen. »Ich hatte ja keine Ahnung, dass du so tödlich sein kannst, May. Als du auf einmal verschwunden und hinter Fiat wieder aufgetaucht bist, habe ich glatt vergessen zu atmen. Es war großartig!«

»Wir Gefährtinnen müssen alles tun, um unsere Wyvern zu schützen«, erklärte Cyrene. Sie hakte sich bei Kostya unter und warf ihm einen bewundernden Blick zu.

Meine Lippen zuckten, als ich seinen gequälten Gesichtsausdruck sah.

»Bist du sicher, dass du weißt, was du tust?«, konnte ich mir nicht verkneifen, ihn zu fragen.

»Nein«, sagte er, lächelte aber, als Cyrene ihm in den Arm biss. »Es scheint jedoch, dass mir nichts anderes übrigbleibt. Dein Zwilling besteht darauf, dass ich ohne sie nicht leben kann, und leider hat sie recht. Sie macht mich wahnsinnig, aber sie hat recht.«

Ich lachte über Cyrenes wütendes Gesicht. Sie stieß ihn vor die Brust und wollte ihm gerade die Meinung sagen, als zwei Dinge passierten.

Aisling tauchte auf. »Drake, dieser Diebesfänger ist an der Tür, aber Pál will ihn erst hineinlassen, wenn du einverstanden bist.«

Drake wandte sich schon zum Gehen, aber sie hielt ihn zurück und legte ihm die Hand auf den Arm. »Und dann ist da noch etwas.«

Fragend runzelte er die Stirn.

»Während ich im Badezimmer war, ist mein Fruchtwasser abgegangen. Ich glaube, das Baby ist sauer, weil ich eine heftige Wehe hatte, und jetzt habe ich das ungute Gefühl, dass die nächste Wehe schon ... «

Sie verzog schmerzerfüllt das Gesicht und beugte sich keuchend vor.

Drake nahm sie auf die Arme und trug sie die Treppe hinauf. »Holt die Hebamme!«, schrie er uns zu.

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